Letztes Jahr fand ich persönlich schon recht intensiv, aber 2018 schlug seinen Vorgänger bereits in der Halbzeit um Längen. Nicht nur, dass ich dieses Jahr ein Baby erwarte (im September ist es soweit), nein, ich musste mich auch noch von meinem Papa verabschieden im vergangenen Juli. Wir hatten mit Sicherheit nicht die harmonischste und einfachste Beziehung zueinander, aber das ändert nichts daran, dass es ein entscheidender Moment ist, wenn ein Elternteil für immer geht. Aber mein Vater wäre nicht mein Vater, wenn er mir nicht sogar zu diesem Anlass wieder viel Stoff zu denken und – wirklich wahr – zu schmunzeln gegeben hätte.

So kam es, dass ausgerechnet sein „Erzfeind“ auf Papas Beerdigung einen unvergesslichen Auftritt hinlegte, der sich mir wahrhaft einprägte und der dir vielleicht ein, zwei oder gar drei Dinge mitgibt, die du für dein Business nutzen kannst. Wenn du dich traust …

Jeder Jäger braucht seinen Störenfried

Als „Erzfeind“ bezeichnete sich jener Mann übrigens selbst in einem Gespräch mir gegenüber, das bereits Jahre her ist. Ganz ernst genommen habe ich das damals nicht. Männer neigen ja doch hin und wieder zu Übertreibungen. Dass mein Papa und er sich allerdings nicht ganz grün waren, wurde schnell klar. Mein Vater war nämlich Jäger. Und dazu noch Jagdaufseher in zwei Gemeinden und somit eine öffentliche Person. Besagter Erzfeind wiederum – nennen wir ihn der Einfachheit halber Georg – war und ist sowas wie das „Enfant Terrible“ der heimischen Jägerszene. Ich habe keine Ahnung wieso oder worum es da ging und geht, da es mich nie wirklich interessiert hat. Auch wenn ich inzwischen denke, man könnte bestimmt ein tolles Buch aus diesen Geschichten machen.

Mein Vater bekam am 13. Juli 2018 eine Jäger-Beerdigung mit allem Drum & Dran, wie er es sich gewünscht hätte: mit Jagdhornbläsern, Halali, viel Grün und Musik. Und mit vielen Reden von Jagdkollegen, die sein Jägerleben nochmal Revue passieren ließen. Sie alle hatten sich gut vorbereitet. Die Rede geplant und aufgeschrieben, manche hatten ihre Spickzettel dabei – andere waren gekonnte Redner und trugen ihre Inhalte frei vor in der überfüllten Kirche.

Ich saß vorne in der ersten Reihe und hob kurz die Augenbrauen, als ein älterer Herr im grünen Zwirn der Jägerschaft, der nur aus Bart zu bestehen schien, an uns vorbei zum Altar lief. Meine Mutter blickte mich kurz überrascht an – der „Erzfeind“ bewegte sich in Richtung Mikrofon. Was wollte der denn jetzt? Wir waren gespannt, denn eine Lobesrede würde es wohl eher nicht werden. Zettel hatte er auch keine in der Hand.

Ein echter Dialog

Dann stand der Georg also vor der versammelten Trauergemeinde und begann – frei von der Leber weg – einen Dialog mit meinem Papa. Einfach so. Mit Stocken und Nachdenken. Mit ehrlichen Worten, an die ich mich nicht mehr alle erinnere. Er sprach davon, dass er ihm jetzt einfach noch ein paar Dinge sagen wollte, wozu er zu Lebzeiten nicht mehr gekommen ist und dass er ihm und seiner Jägerschaft seine Anerkennung aussprechen wollte für das, was sie geleistet hatten. Er erzählte davon, dass sie sich ja nie so gut verstanden haben. Außerdem hätte er ihn ja jetzt wohl lange genug geärgert und er dachte, das wollte er einfach nochmal loswerden und ihm seinen Frieden wünschen. Ich saß da und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Das war mit Abstand das Ehrlichste, was ich seit langem gesehen und gehört hatte.

Ungekünstelt, unvorbereitet, das Herz auf der Zunge – ein Zwiegespräch zwischen zwei Männern, von denen nur noch einer am Leben war. Und ich fragte mich, ob ich den Mut gehabt hätte in dieser Situation – quasi der letzten Möglichkeit, nochmal offiziell reinen Tisch zu machen – dort oben zu stehen. Georg hatte ihn. Aus seiner Rede, seinem Dialog mit meinem toten Papa habe ich 3 Dinge gelernt:

1. Es ist nie zu spät

Du kannst reinen Tisch machen, wann immer du bereit dafür bist. Und fürs Business: Du kannst immer und jederzeit damit anfangen, deine „Taktik“ zu ändern und dich authentisch zu zeigen. Selbst, wenn du das bisher anders gehandhabt hast.

2. Trag das Herz auf der Zunge

Kein wohlvorbereiteter Text, keine perfektionierte Rede und kein penibelst verfasster Sermon ersetzt das, was du bewirkst, wenn du wirklich dein Herz auf der Zunge trägst. Lass es raus, was du sagen willst! Natürlich kannst du daran schleifen und feilen – aber mach es nicht kaputt. Lieber 5 Minuten „echt du“ mit allen ähhhh’s und Denkpausen, als ein runtergelesener 08/15-Text.

3. Sei wer du bist und steh dazu

Es ist vollkommen okay, der/die zu sein, der immer Ärger macht, der stets das „Dagegen“-Schild hochhält. Es genauso okay, „Everbody’s Darling“ zu sein. Sei, wer du bist und zeig das. Wenn du echt bist, dann wird dich dafür keiner angreifen – und wenn doch, dann hältst du das aus, weil es zu deiner Natur gehört. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Gönne das deinen Leser*innen und Kund*innen – so können sie bewusst wählen, ob du der/die richtige Partner*in für sie bist.

Speziell zu Punkt 3 ein Erfahrungswert aus fünf Jahren Blogger-Erfahrung: Ich hab von 2012 weg über Laufen, Abnehmen und vegane Ernährung gebloggt. Ein heißes Feld, immer noch. Vor fünf Jahren sogar noch mehr. Vegane Ernährung im speziellen bietet immer eine schöne Angriffsfläche. Laufen – wenn du so mies bist (im Vergleich zu „normalen“ Läufern) wie ich – ebenso. Dennoch wurde ich in diesen Jahren kein einziges Mal angegriffen. In keinem Kommentar, in keiner e-Mail und in keinem Facebook-Post. Das lag vielleicht daran, dass umgekehrt auch ich niemanden angegriffen habe – ich habe stets sehr persönlich gebloggt und niemanden verurteilt. Für mich ist und war klar, dass mir das nicht zusteht. Ich habe mich aber auch nie anders gezeigt, als ich bin. Ich habe nichts beschönigt, nichts heldenhafter dargestellt als es war – ich war einfach ich. Als ich dann eines Tages nach Wien auf eine vegane Messe fuhr, auf der ich einen Vortrag halten sollte, bekam ich mein schönstes Kompliment. Von einer Frau, die mich vom Blog her kannte, aber nie persönlich getroffen hatte:

Du bist ja genau wie im Internet!

Ja, genau. So bin ich.
Das wirkt. Weil es echt ist.

Wie wär's damit …?

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