Es ist der 4. Januar 2016. Ich sitze auf einem harten Bürostuhl und rutsche peinlich berührt vor lauter Selbstzweifel von einer Pobacke auf die andere. Vor mir hochgezogene Augenbrauen und eine dezent gerümpfte Nase. „Sie sind also nicht das erste Mal hier, wie ich sehe …“. Die Dame von der Wirtschaftskammer scrollt auf ihrem Bildschirm nach unten. „Ah ja, 2013 … 2009 … 2006 … tja, Sie wissen in dem Fall Bescheid, wie das hier läuft mit der Selbständigkeit.“ Ein leicht verächtlicher Blick mit einem kaum verhohlenen Grinsen. „Ja, ich kenne mich aus“, erwidere ich beschämt. „Aber ich denke, dieses Mal passt es für mich.“ Die Augenbrauen rutschen noch ein Stück höher. „Wie Sie meinen … bitte unterschreiben Sie hier.“

So begann mein insgesamt fünfter Anlauf, der dritte in Österreich, in die Selbständigkeit. Manchmal dauert es eben länger, bis man seinen Weg findet. Aber das brauchte ich der Dame im Amt nicht zu erzählen. Tatsache ist, dass ich dieses Mal sehr sicher war, den richtigen Weg gefunden zu haben. Und wie sieht es bei dir aus: Bist du gerade frisch gestartet und weißt genau wo der Weg lang geht? Oder bist du schon ein Dauerbrenner im Geschäft und wusstest von Anfang an, was du wolltest?

Wo auch immer du gerade stehst, ich bin mir fast sicher, dass dir das hier bekannt vorkommt: Es gibt diese Tage, an denen du plötzlich nicht mehr sicher bist, das Richtige zu tun. Wo plötzlich Selbstzweifel an die Tür klopfen und du dir ganz sicher bist, dass das alles zum Scheitern verurteilt ist. Dass du entweder gar keine Kunden bekommen wirst oder die, die du bereits hast, auf einmal alle abspringen. Dein Terminkalender wird leer bleiben und dein Produkt wird sich nicht verkaufen. Das schnürt einem dann glatt ein bisschen die Luft ab oder zumindest die Freude am Geschäft, am Aufbau, am Weitermachen … an allem. Denn was an diesen Tagen bleibt, ist die Frage:

Und was dann?

Tja, und was dann.
Dann passiert es – besonders zu Beginn deiner Selbständigkeit – dass du vielleicht in blinden Aktionismus verfällst. Vor lauter Panik. Bestes Beispiel: Ich selbst. Aus Angst habe ich bereits als Selbständige einen Büro-Job auf Freelancer-Basis angenommen und für sage und schreibe 10 Euro brutto/ Stunde gearbeitet. Als Selbständige/r mit auch nur einem Hauch Ahnung von Kalkulation wird dir in diesem Moment gerade mit einem lauten „Klack“ die Kinnlade heruntergesackt sein … für mich war es damals in meiner blinden Panik der einzige Weg möglichst schnell Geld zu verdienen. Kurze Zeit darauf ließ ich mich auf einen Job im Außendienst ein, der mir ein beruhigendes Fixum von 900 Euro bot. Dazu dann allerdings den extremen Verkaufsdruck von oben, der mich innerhalb von 5 Monaten an den Rand eines Burnouts trieb. Als der Arzt mir die ersten (und letzten) Antidepressiva meines Lebens in die Hand drückte, war mir klar, dass ich diesen Job kündigen muss.

Ich schlug mich eine Weile in der vermeintlichen Sicherheit des Angestellten-Daseins durch, bevor ich wieder einen selbständigen Versuch startete … und irgendwann wieder geplagt vor lauter Selbstzweifel, weil es doch sicherlich nicht funktionieren würde, landete ich in einer Autowerkstatt. Angestellt. Beruhigt. Für zwei Monate. Dann begann das innerliche Durchdrehen wieder von vorne. Meine innere Flamme wurde immer schwächer. Ich fühlte mich wie eine Kerze kurz vor dem Erlöschen. Und schmiedete einen Plan.

Ich war mir sicher, wenn ich nur einen Kunden mehr hätte, dann würde der nächste Versuch klappen. Gesagt, getan. Ich suchte mir einen Kunden, der mir das bot, was ich wollte: Selbstvertrauen, weil er mich super fand und Sicherheit, weil er meine Arbeit bezahlen konnte und wollte. Und das war der Tag, den ich oben beschrieben habe. Mein x-ter Start in die Selbständigkeit.

Waren damit alle Selbstzweifel verflogen?

Zeitweise ja. Aber ganz oft auch nein. Inzwischen habe ich die Erfahrung gemacht, dass Selbstzweifel und gewisse Ängste uns Selbständige wohl immer ein Stück weit begleiten. Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber wenn du das hier liest, gehörst du ziemlich sicher dazu. Und ich hoffe, du findest es tröstlich zu wissen, du bist nicht alleine! Und noch wichtiger: Die Selbstzweifel haben nicht recht. Sie haben einfach nicht recht! Inzwischen glaube ich sogar, dass sie ein untrügliches Zeichen dafür sind, dass du auf einem wirklich guten Weg bist. Denn wenn es unbequem wird, dann hast du deine Komfortzone verlassen. Du bist einen Schritt weiter gegangen, als das, was du bisher kanntest. Unbekanntes Terrain. Uh, unheimlich. Wer weiß, was da alles auf dich zukommt? Lieber wieder husch, zurück ins Körbchen! Sagt der Selbstzweifel. Raus ins Abenteuer, sagt die Seele. Und mal ehrlich:

Deine Seele ist soviel älter als deine Selbstzweifel.

Wenn du einen Ruf in dir verspürst und diesen Ruf zu deinem Be-Ruf gemacht hast, dann glaube ich tief & fest daran, dass das alles einen Grund hat. Dass du tun musst, was du tust und dass das Leben (das Universum oder wer auch immer) dir zur Seite steht. Das heißt nicht, dass das alles ein easy-peasy-tralala-Spaziergang wird – aber es wird ein Abenteuer, das zu dir gehört und für das du das Zeug hast – sonst wärst du nicht auf diesem Weg!

Im übrigen höre ich auch von erfolgreichen, langjährigen Selbständigen immer wieder, dass der Selbstzweifel auf Besuch vorbeikommt. Das gehört wohl dazu. Mir hilft dann meist eins von diesen beiden Dingen, dir vielleicht auch:

The worst case

Ich mal mir tatsächlich aus, was der allerschlimmste Fall ist, der eintreten könnte. Für die meisten Dinge gibt es eine Lösung. Du wirst vermutlich nicht mittellos auf der Straße stehen. Der Gedanke, dass ich immer zu Freunden & Familie gehen kann im Falle des Falles, hat mir geholfen. Dass mein Stolz den Bach runtergeht, ja okay. Aber ich glaube, auch ohne Stolz lässt es sich atmen. Auch wenn alles verloren scheint, könnte ich mich über Sonnenstrahlen im Gesicht freuen. Wenn tatsächlich alles dahin ist – dann besteht die Chance, wieder völlig von vorne zu beginnen.

Wolken im Sonnensturm weiterschieben

Auch eine schöne Variante: Meist wenn ich in dieses Loch falle, so fühlt es sich nämlich an, dann stelle ich fest, dass es auf der Sonne stürmt. Ja, ich mein das echt so. Ein Sonnensturm. Scheinbar hat das Auswirkungen auf uns auf der Erde, wenn auf der Sonne ein Lüftchen weht. Jedenfalls sind das zu 80% die Tage, an denen ich der Meinung bin, ich sollte sofort alles hinschmeißen und mich wieder anstellen lassen. Jedes Mal. Die beste Vorgehensweise hier: atmen, Kaffee (oder Kakao) trinken, Dinge tun, die entspannen und Freude machen. Nicht arbeiten. Ja, ich weiß – klingt paradox. Aber arbeite einfach nicht. Es hat sowas von NULL Sinn an diesen Tagen. Warte, bis deine Kraft, deine Energie und dein Optimismus wiederkommen und dann, zeig was du drauf hast. Lass die Wolken und den Sturm einfach vorbeiziehen. Das dauert maximal 2-3 Tage, meist geht’s schneller.

Eine Übung fürs Innerste

Ich war kürzlich bei meinem Physiotherapeuten und hab mich mit ihm, der seinen Job schon jahrelang selbständig ausübt, genau darüber unterhalten. Er kennt das. Und dann verriet er mir seine Art, wie er damit umgeht. Das hat mich ehrlich begeistert, auf die Idee wäre ich nämlich noch nie gekommen. Eine wirklich tolle Übung, die du zuhause machen kannst, auch wenn du nur ein paar Minuten Zeit hast, am besten genau dann, wenn der Selbstzweifel sich mal wieder meldet. Ganz einfach & sehr wirkungsvoll. Ich schreibe diese Übung die nächsten Tage für dich um und schicke sie dir im nächsten Newsletter mit. Du kannst dich gerne noch anmelden dafür (z.B. auf meiner Home-Seite oder einfach hier nach ganz unten scrollen)! Und du weißt: Abmelden ist jederzeit mit einem Klick möglich. Und wenn du die Übung ohne Newsletter magst, dann schick mir bitte eine separate e-Mail.

Ich wünsch dir einen klaren Kopf und eine „sturmfreie“ Zeit!

 

Fotocredit: Canva Pro

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