Was klingt wie das Motto der Mauerblümchen aller Welt, ist eine Aussage, die ich etwas verändert habe – und ich habe sie völlig aus dem Kontext gerissen. Denn so wie sie da stehst, passt sie doch nun wirklich nicht hierher – oder? Schließlich spreche ich immer davon, dass du rausgehen darfst mit deinem echten ICH. Mit deiner Persönlichkeit. Da passt so ein Wort wie „unbemerkt“ doch nicht wirklich ins Konzept. Und dennoch gehört es hierher, ich begegnete diesem Wort vor ca. 2 Wochen auf einer Veranstaltung. Die Veranstaltung hieß „Fragmente“ und war eine Buch-Präsentation und für mich die Gelegenheit, einen lieben Freund wieder einmal zu treffen. Christian Holzknecht, der nicht nur einzigartig fotografiert (wie eben für dieses Buch), sondern auch zu den Themen „Wahrhaftigkeit“ und „Selbstliebe“ gerne mal die Bühne besteigt und Menschen inspiriert.

Das tat er auch an dem Abend. Nur für 10 Minuten. Aber es reichte aus. Um mich zum Nachdenken zu bringen. Er sprach darüber, dass niemand von uns sich gerne fotografieren lasse. Das laut den befragten Menschen die schönsten Bilder die seien, auf denen sie ohne es zu merken fotografiert wurden.

„Am schönsten finden wir uns also, wenn wir nichts tun – wenn wir uns nicht verstellen“,

lautete Christians Fazit. Dieser Satz nistete sich in meinen Gedanken ein.

Wer sind wir, wenn wir uns nicht verstellen?

Es beschäftigt mich. Immer noch. Ich versuche so oft es mir möglich ist, mich nicht zu verstellen. Und doch: Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mich anpasse, versuche so zu sein, wie man mich (vermutlich) haben will. Wozu? Um nicht anzuecken. Um gemocht zu werden. Um angenehm zu sein. Um nicht diskutieren zu müssen … und so weiter und so weiter. Die Liste könnte ich noch um weitere 10 – 30 Punkte ergänzen, es fällt mir bestimmt was ein. Und dir?

Ich frage mich nur gerade, wem das eigentlich nützt. Mir selbst?

Nur bedingt. Und nur für den Moment. Für diesen einen Moment bin ich keiner unangenehmen Situation ausgesetzt. Dafür dann aber anschließend umso länger! Denn wenn ich mich verstelle, wenn ich mich nicht zeige, wie ich bin – nehme ich dem anderen die Chance der Entscheidung. Der Entscheidung, ob er Zeit mit mir verbringen möchte oder nicht. Ich täusche ihm falsche Tatsachen vor. Das ist jetzt dem anderen gegenüber schonmal nicht so freundlich, wie ich eigentlich sein wollte. Aber noch viel unfreundlicher ist es mir selbst gegenüber! Denn jetzt muss ich diese Rolle weiterspielen, wenn ich nicht zuletzt doch noch in einer Situation landen möchte, in der ich unbequem ehrlich bin – mit mir selbst und dem anderen gegenüber. Und so geht das immer weiter, total verzwickte Sache – oder?

Wie kann ich ständig ich selbst sein?

Ehrlich gesagt kann ich die Frage gar nicht so spontan und generell beantworten – schließlich bin ich ja selbst dauerhaft im Prozess des Lernens. Aber eines fiel mir beim Gedankenkreisen dazu ein: Um tatsächlich ich selbst sein zu können, ist es eine Grundvoraussetzung, mich wirklich gut zu kennen. Zu wissen, was mir wichtig ist (und wer) und wofür es sich lohnt, Kompromisse einzugehen und wofür nicht. Seit rund 4 Jahren befinde ich mich in einem intensiven Prozess des Mich-Kennenlernens. Immer wieder bin ich selber überrascht, was ich jahrzehntelang von mir selbst als Wahrheit angenommen hatte. Es stimmt nicht, dass wir von Anfang an wissen, wer wir sind. Manche vielleicht. Ich nicht. Ich war immer Everbody’s Darling. Dachte ich. Inzwischen stimmt das nicht mehr so ganz. Ich mag es immer noch harmonisch, aber zu welchem Preis? Inzwischen beginne ich, meine Beziehungen auf einer anderen Basis zu pflegen.

Was sich jetzt sehr persönlich oder gar privat anhört, lässt sich übrigens 1:1 aufs Business übertragen: Mit wem arbeite ich? Und ich rede nicht nur von meinen Kunden, sondern auch von meinen Coaches. Tatsächlich befand ich mich schon in einem Coaching (und nicht nur einmal!), in dem ich mich überhaupt nicht wohlgefühlt habe, weil ich das Gefühl hatte, ich dürfte nicht so sein wie ich bin. Denn der Coach hatte seine eigene Vorstellung davon, wie er/sie mich zum Erfolg führt. Und vor lauter Harmoniebedürfnis und Bin-ich-vielleicht-doch-nicht-gut-genug-Feeling habe ich mich selbst gefragt, ob ich nicht auch anders sein könnte, um erfolgreich zu sein … ob er/sie vielleicht doch recht hat. Die Antwort lautet im Nachhinein:

Nein, nein und nochmals nein!

Das war mir in der Situation selbst nicht klar. Und es bedeutet auch heute für mich immer noch so oft Bauchweh und Herzklopfen, wenn ich ganz klar sein darf (muss!), ganz klar kommunizieren will (muss!), wer ich bin und wer nicht. Wenn ich meine Grenzen setze und mich zeige. Ich riskiere damit, nicht mehr gemocht zu werden. Ich riskiere damit, das Menschen sich zurückziehen. Ich riskiere vieles damit. Aber eines mit Sicherheit nicht:

Ich riskiere damit nicht mein eigenes Lebensglück und nicht meine eigene Gesundheit, weil ich permanent jemanden darstellen muss, der ich gar nicht bin.

Ich glaube, es geht nicht darum, dass wir jetzt von sofort auf gleich umschalten auf 100% ICH. Wir haben so lange gelernt, uns zu verstellen, dass wir ein bisschen sanft sein dürfen, den Weg zurückzufinden. Lernen wir uns wieder besser kennen. Finden wir heraus, wer wir eigentlich sind. Was wir wollen und mit wem. Und dann beginnen wir damit, genau das auszusprechen. Kommunizieren wir unser ICH. Höflich, respektvoll und wertschätzend – dem anderen gegenüber, aber vor allem auch uns selbst.

Bist du dabei?

Übrigens: Ich schreib das hier nicht von einem Podest runter, um dir zu zeigen, wie’s geht. Ich schreib das für dich und mich. Denn ich selbst bin ebenso meine eigene Schülerin. Ich lerne, ich probiere aus, ich mache Erfahrungen und erlebe Missgeschicke. Vielleicht bin ich schon ein wenig fortgeschrittener im Üben des „ich-selbst-sein-ohne-wenn-und-aber“, aber angekommen bin ich zum Glück noch nicht. Denn der Weg ist doch so spannend! Wenn du jetzt einen ersten Schritt machen möchtest – und das gerne in Begleitung: Seit heute ist mein kostenloser Mini-Kurs „Natürlich im Web“ wieder online. Aufgefrischt, mit Videos und neuen Arbeitsblättern. 3 Tage, 3 Videos, 3 Aufgaben. Möchtest du mehr wissen?

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